Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig
Kulturmanagement - Sommersemester 2022





                                                                           Sommersemester 2022

Philosophische Fakultät | Gemeinsame Einrichtung: Bachelor-Optionalbereich
Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig
Präsident ERIH – European Route of Industrial Heritage | CEO | Generaldirektor des Weltkulturerbe Völklinger Hütte a.D.
Meinrad.Grewenig@I-Kultur.net | www.I-Kultur.net


Die Zukunft des Kulturmanagements nach der Corona-Pandemie
Semester: 1. April bis 30. September 2022 | 11. April bis 22. Juli 2022 | 

Vorbesprechung: Montag, 25. April 2022 | 16 h c.t. | LV: montags 16 h c.t online 

UdS | Gebäude B3.1_0.11 großer Sitzungssaal der Fakultät plus Online-Blockveranstaltungen nach Vereinbarung

Die Corona-Pandemie hat den Höhenflug einer Kultur, die seit den Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts von einem systematischen Kulturmanagement befeuert wurde, radikal und in kurzer Zeit gestoppt. Unser aktuelles Kulturkonzept steht auf dem Prüfstand. Kulturentwicklung, ihre Vermittlung und Steuerung sind in der Corona-Pandemie eine vollständig andere und werden nach der Pandemie neuen Regeln folgen müssen. Wird Kultur zum nachgeordneten Vollzug staatlicher Anordnung? Eine maximale Herausforderung für das Kulturmanagement!
Am Ende des 20. Jahrhunderts ereignete sich mit der Entdeckung der Alltagsmenschen für die Kultur ein umfassender Turn. Diese neue Ausrichtung strebte nicht weniger als die Adressierung von Kultur und ihrer Einrichtungen über die Fachkolleg*innen hinaus an alle Menschen an. Diese besucherorientierte Kultur 2.0 löste eine Kulturhaltung ab, die seit der wissenschaftlichen Orientierung der Kultur am Anfang des 19. Jahrhunderts allein die Objekte der Kultur (Kultur 1.0) im Fokus hatte. Seitdem vervielfachten sich in Mitteleuropa die Kultureinrichtungen und damit die Notwendigkeit, Finanzmittel, Organisationsressourcen und Themenentwicklung nachhaltig und zielorientiert zu steuern. Umfassende Kommunikation mobilisierte die Alltagsmenschen und ermöglichte durch die breite finanzielle Teilhabe der Kulturnutzer*innen den Kulturinstitutionen hohe Deckungsbeiträge zu ihren Kulturbudgets. Die Entdeckung der transkulturellen Industriekultur mit ihrer Verbindung von künstlerischer Kreativität und technischer Innovation und touristischen Zielsetzungen der Kultur lassen eine kulturwirtschaftliche Orientierung (Kultur 3.0) entstehen, deren Signet die Grenzüberschreitung der Kulturgattungen ist. Die umfassende „Internet-Einbettung“ und die Errungenschaften der Digitalisierung als weiteres künstlerisches Instrument und vielfältige Informations- und Dokumentationsplattform ermöglichten eine neue Kulturdimension (Kultur 4.0).
Die Corona-Pandemie seit 2020 löst nicht nur in Europa den größten Bruch der Kulturentwicklung aus. Die vollständige Schließung von Museen, Theater, Kinos, Konzertsälen und Denkmälern ebenso wie der Universitäten (teilweise), Bibliotheken, Archive, der meisten Schulen, aber auch Klubs hat bei den Nutzer*innen eine neue passive Haltung zur Kultur erzwungen. Live gestaltete Kultur ist zur Disposition gestellt. Künstler*innen und die Veranstaltungswirtschaft sind in höchsten Existenznöten. Eine spezifische Netzkunst, die ähnlich wie Livekultur die Fantasie freisetzt, hat sich – trotz hoffnungsfroher Ansätze - in der Pandemie bisher nicht entwickelt.
Stehen wir mit der Corona-Krise vor einer anderen Wirklichkeit von Kultur und der Notwendigkeiten einer neuen Steuerung mit geänderten Herausforderungen, einer Kultur 5.0?
Die Lehrveranstaltung thematisiert die Entstehung und die Dimensionen des Kulturmanagements sowie ihrer Entwicklung am Anfang des 21. Jahrhunderts. Sie behandelt die großen Umbrüche der Kultur und des Kulturmanagements durch die Corona-Pandemie sowie die Potenziale für den Neustart einer gesteuerten Kultur danach. Es werden die Chancen einer inklusiven, immersiven und digital-basierten Kultur erörtert.
Von den Studierenden werden u. a. Semesterleistungen in Form von Referaten, selbst produzierten „Storys“ sowie ungewöhnliche emotionale Idee erwartet. Auf Basis der Ergebnisse der Lehrveranstaltung thematisiert ein großes Planspiel die Potenziale und die Grenzen eines Kulturmanagements nach der Corona-Krise.



E-Mail: Meinrad.Grewenig@I-Kultur.net